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10.08.2017

Presse

06.06.2007

Anläßlich unseres Konzertes “Musik kennt keine Grenzen” am 02.06.2007 schrieb die Tageszeitung “DIE RHEINPFALZ” folgenden Bericht.

40 Tenöre und Bässe im ABBA-Fieber

Liederkranz sammelt mit Benefizkonzert 1000 Euro

Wenn Ariane Sauer dirigiert, hören 40 Männer auf ihr Kommando. Die grazile 27-jährige mit den hellroten Haaren steht auf einem Podest vorm Männerchor des Oppauer Gesangvereins Liederkranz. Gekonnt gibt sie die Einsätze der Stimmen und die Intensität des Gesangs vor. Musik macht Spaß und das sah man auch beim Benefizkonzert am Samstagabend im Bürgerhaus.

40 begeisterte Sänger eines Chores mit über 160-jähriger Geschichte, eine quirlige Dirigentin, die tagsüber als Referendarin Musik und Französisch unterrichtet und abends den Chor leitet, sowie die von der Europäischen Stiftung Kaiserdom, der RHEIPFALZ und dem Chorverband gestartete Aktion “Die Pfalz singt für den Dom”: Aus dieser Mischung entstand ein besonderes, zweistündiges Konzert mit Schwung, Rhythmik – und ungewöhnlichem Programm.

“Mir war wichtig, dass wir keine alltäglichen Stücke singen, sondern auch unbekannte und rhythmisch anspruchsvolle Lieder”, sagt Sauer, die die musikalische Gesamtleitung übernommen hatte. “Einige Sänger sind 70 Jahre alt. Für sie ist es anstrengend, zwei Stunden konzentriert durchzusingen und sich auf ganz neue Lieder einzulassen. Trotzdem machen sie mit. Hut ab!”, sagt Sauer über ihre Mannen.

Ob kroatische Volkslieder, der schnelle Rhythmus der spanischen “Espagnola” oder die “Buschiade”, eine Vertonung bekannter Geschichten von Wilhelm Busch – der Chor überzeugte mit Tempo, Rhythmusgefühl und breitem Repertoire. Mitreißend auch die Interpretation einiger Stücke aus den “Abenteuer des Don Quijote”, bearbeitet von Walther Schneider. Zwischen den Stücken plauderte Moderator Hubert Eisenhauer über die Komponisten und Lieder.

Mit von der Partie war auch das Bläserquintett der Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz: Klaus Wendt und Rüdiger Kurz an den Trompeten, Anne-Eli Olsen am Horn, Posaunist Jürgen Schal und Ralf Rudolph an der Tuba interpretierten gekonnt bekannte Melodien von Gershwin, Bizet und den Beatles.

Mit einem ABBA-Medley, von “Mamma Mia” bis hin zu “Dancing Quenn” rissen die Sänger – passend mit bunten T-shirts und Hemden bekleidet – die Zuhörer endgültig mit. Ariane Sauer wandte sich zwischendurch an ihre Sänger und zeigte lachend mit dem Daumen nach oben: “Gut gemacht, Männer!” Das fanden die Besucher auch und ließen den Liederkaranz nicht ohne anhaltenden Applaus und eine Zugabe von der Bühne.(MSM)

Quelle:

Verlag: DIE RHEINPFALZ

Publikation: Ludwigshafener Rundschau

Ausgabe: Nr. 128

Datum: Dienstag, den 05. Juni 2007

Seite: Nr.19

 

LEITARTIKEL

 Aufgesang

Von Frank Pommer

Der Vorurteile sind viele, nicht nur bei der Jugend. Singen ist einfach völlig uncool, vor allem im Verein. Man denkt an deutsche Spießbürger-Herrlichkeit, an Festzelte, mit Silcher-Liedern geschwängert, an Sängerfeste, bei denen der “bunte Strauß an Frühlingsmelodien" vor sich hinwelkt. Oder an Musikantenstadel und Gotthilf Fischer. Nein, das Image der deutschen Chöre, seien es weltliche Gesangvereine oder Kirchenchöre, ist wahrlich nicht das beste. Auf dem Bild, das sich die Öffentlichkeit von ihnen macht, sehen sie aus, als seien sie aus der Zeit gefallen, unvereinbar mit den Vorstellungen einer immer hipper, lifestyliger werdenden Spaßgesellschaft. Eine Imagekorrektur ist also dringend notwendig, und es scheint, als hätten die Chöre dies auch erkannt.

“Tu dir was Gutes - sing im Chor", ist das Motto einer Kampagne, die der Cäcilienverband im Bistum Speyer Anfang des Monats gestartet hat. Die Chöre werden mit Plakaten und Broschüren versorgt, mit denen sie auf sich und ihre Arbeit aufmerksam machen können. Mehr als 300 katholische Kirchenchöre mit zehn- bis elftausend Mitgliedern sind im Cäcilienverband organisiert. Auch in den laut jüngster Chorstatistik 475 evangelischen Kirchenchören singen rund 11.600 Menschen, und auf der Homepage des Pfälzer Sängerbundes kann man lesen, dass diesem (Stand: Dezember 2003) 625 Mitgliedsvereine angehören. 26.392 singende und 68.580 fördernde Mitglieder, insgesamt 94.972 Männer, Frauen und Kinder setzen sich in der Pfalz für das Singen ein. Und all diese Musikbegeisterten tun keineswegs nur sich selbst etwas Gutes, sondern übernehmen zugleich eine wichtige gesellschaftliche Funktion, nicht zuletzt dadurch, dass sie zu einer Art kulturellen Grundversorgung beitragen.

Ihr ehrenamtliches Engagement kann - ähnlich wie in den Sportvereinen - gar nicht hoch genug eingeschätzt werden. Gerade in ländlichen Gebieten sind Vereine die Hauptträger der dörflichen Gemeinschaft. Man mag das vielleicht belächeln, verstanden hat man dann allerdings wenig. Wie wichtig das Gemeinschaftserlebnis Singen ist, kann nur der nachvollziehen, der es selbst einmal erlebt. Für viele ältere Menschen ist der Kirchenchor oder der Gesangverein so etwas wie die letzte Bastion gegen die völlige Vereinsamung. Im Chor - wie auch im Orchester - werden zudem soziale Kompetenzen geschult wie Teamfähigkeit und Durchsetzungsvermögen.

In mehreren Studien wurde die Bedeutung von Musik allgemein für die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen nachgewiesen. Gerade die Entwicklung der so genannten Sekundärtugenden wie Kreativität, Motivation, Engagement oder Leistungsbereitschaft wird dadurch gefördert. Deutschlands regelmäßiges Versagen in den internationalen Pisastudien ist schließlich auch darauf zurückzuführen, dass in unseren Schulen zu wenig gesungen und musiziert wird. Hier springen die Chöre in die Bresche und sorgen damit zugleich für eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung - als Alternative zur TV-Dauerberieselung, zum Marathon-Surfen oder Spielen am PC.

Zudem hat die Aktion “Tu dir was Gutes - sing im Chor" völlig Recht mit ihrem Motto. Musik und Gesang tun gut. Nicht nur der Seele, sondern auch dem Körper. Zu dem Glücksgefühl des gemeinsamen Singens kommen ganz konkrete Gesundheitsfaktoren: Singen unterstützt die richtige Atmung, bei Kindern werden nicht nur das Sprach-, sondern auch das Lesevermögen verbessert, mittlerweile werden Sprachfehler bei Kindern sogar durch Singen behandelt. So unzeitgemäß also noch immer manche Chöre auftreten, die positive Wirkung des Singens für jeden einzelnen wie für die Gemeinschaft ist zeitlos aktuell. Vielleicht sogar aktueller denn je.

Singen ist wichtig und tut gut, nur wissen das noch viel zu wenige. Chöre in der Region haben das erkannt und reagieren mit Imagekampagnen.

“Deutschlands regelmäßiges Versagen in den Pisastudien ist auch darauf zurückzuführen, dass in unseren Schulen zu wenig gesungen und musiziert wird."

Quelle:

Verlag: DIE RHEINPFALZ

Publikation: Ludwigshafener Rundschau

Ausgabe: Nr.238

Datum: Samstag, den 13. Oktober 2007

Seite: Nr.8

 

Zeugnis deutscher Geschichte

Wiedergefundene Vereinsfahne des Liederkranzes schmückt Wand im Rathaus-Saal

Von Ulrike Minor

Ein Zeugnis deutscher Geschichte schmückt seit Sonntag eine Wand des Sitzungssaals im  Oppauer Rathaus. Dort hängt die 162 Jahre alte Vereinsfahne des Gesangvereins  Liederkranz 1843 e.V. Oppau, gefertigt drei Jahre nach dessen Gründung und Jahrzehnte lang verschollen.

In der Vereinschronik habe es immer einen Hinweis auf eine Fahne aus dem Jahr 1846 gegeben, sagt  Liederkranz-Vorsitzender Alfred Schneider. Doch wo diese abgeblieben war und wie sie ausgesehen hatte, wusste niemand. Vor fünf Jahren dann, als der älteste Verein  Oppaus sein 160-jähriges Bestehen feierte, wurde das gute Stück den Sängern zugespielt, ganz profan in einer Plastiktüte, verschmutzt, zerrissen, mit Brandschäden und in einem erbarmungswürdigen Zustand. Einer genauen Überprüfung hielt das Stück Tuch stand: Es handelt sich um die Fahne von 1846.

Nachdem die Fahne wieder gefunden worden war, ließ der Verein das kostbare Stück restaurieren und übergab es jetzt in einer Feierstunde als Dauerleihgabe an Ortsvorsteher Udo Scheuermann. Ungewöhnlich wie die Geschichte der Fahne ist auch ihr Aussehen, erinnert sie doch an eine Zeit politischer Wirren und revolutionärer Unruhen.

„Wo das 1,50 auf 1 Meter große Stück Tuch die Jahrzehnte überdauert hat, könne nur spekuliert werden", sagt Schneider. Jedenfalls entschieden sich die Mitglieder, den Zufallsfund wieder herrichten zu lassen. Dafür spendeten sie, sodass eine Regensburger Fachfirma sich an die Arbeit machen konnte. 3900 Euro hat die Restaurierung gekostet und jetzt zeugt die Fahne als kostbares Zeitdokument von bewegter Geschichte. Graubraun ist die Fahne - wahrscheinlich war sie mal viel heller - und in ihrem Zentrum steht eine goldene Lyra, durchbohrt von einem Säbel. Umrahmt wird dieses Motiv von den letzten beiden Zeilen aus Friedrich Schillers Gedicht „Der Antritt des neuen Jahrhunderts", allerdings leicht abgeändert: „Freiheit ist nur in dem Reich der Töne (bei Schiller: Träume), und das Schöne blühet nur in dem Gesang."

Als „Hausherr" bezeichnete Ortsvorsteher Udo Scheuermann es als Selbstverständlichkeit, den Sitzungs- und Trauungssaal des Rathauses für die Fahne zur Verfügung zu stellen: „Ein solches Dokument sollte nicht in der Schublade verschwinden". Zur Feier des Tages trugen die Sänger des  Liederkranzes unter Leitung von Jan Wilke jene letzte Strophe aus dem Schiller-Gedicht vor, in einer Vertonung des  Oppauers Heinz Dreher.

Quelle:

Verlag: DIE RHEINPFALZ

Publikation: Ludwigshafener Rundschau

Ausgabe: Nr.294

Datum: Mittwoch, den 17. Dezember 2008

Seite: Nr.44