Zeugnis deutscher Geschichte

 

Wiedergefundene Vereinsfahne des Liederkranzes schmückt Wand im Rathaus-Saal

Von Ulrike Minor

Ein Zeugnis deutscher Geschichte schmückt seit Sonntag eine Wand des Sitzungssaals im  Oppauer Rathaus. Dort hängt die 162 Jahre alte Vereinsfahne des Gesangvereins  Liederkranz 1843 e.V. Oppau, gefertigt drei Jahre nach dessen Gründung und Jahrzehnte lang verschollen.

In der Vereinschronik habe es immer einen Hinweis auf eine Fahne aus dem Jahr 1846 gegeben, sagt  Liederkranz-Vorsitzender Alfred Schneider. Doch wo diese abgeblieben war und wie sie ausgesehen hatte, wusste niemand. Vor fünf Jahren dann, als der älteste Verein  Oppaus sein 160-jähriges Bestehen feierte, wurde das gute Stück den Sängern zugespielt, ganz profan in einer Plastiktüte, verschmutzt, zerrissen, mit Brandschäden und in einem erbarmungswürdigen Zustand. Einer genauen Überprüfung hielt das Stück Tuch stand: Es handelt sich um die Fahne von 1846.

Nachdem die Fahne wieder gefunden worden war, ließ der Verein das kostbare Stück restaurieren und übergab es jetzt in einer Feierstunde als Dauerleihgabe an Ortsvorsteher Udo Scheuermann. Ungewöhnlich wie die Geschichte der Fahne ist auch ihr Aussehen, erinnert sie doch an eine Zeit politischer Wirren und revolutionärer Unruhen.

„Wo das 1,50 auf 1 Meter große Stück Tuch die Jahrzehnte überdauert hat, könne nur spekuliert werden", sagt Schneider. Jedenfalls entschieden sich die Mitglieder, den Zufallsfund wieder herrichten zu lassen. Dafür spendeten sie, sodass eine Regensburger Fachfirma sich an die Arbeit machen konnte. 3900 Euro hat die Restaurierung gekostet und jetzt zeugt die Fahne als kostbares Zeitdokument von bewegter Geschichte. Graubraun ist die Fahne - wahrscheinlich war sie mal viel heller - und in ihrem Zentrum steht eine goldene Lyra, durchbohrt von einem Säbel. Umrahmt wird dieses Motiv von den letzten beiden Zeilen aus Friedrich Schillers Gedicht „Der Antritt des neuen Jahrhunderts", allerdings leicht abgeändert: „Freiheit ist nur in dem Reich der Töne (bei Schiller: Träume), und das Schöne blühet nur in dem Gesang."

Als „Hausherr" bezeichnete Ortsvorsteher Udo Scheuermann es als Selbstverständlichkeit, den Sitzungs- und Trauungssaal des Rathauses für die Fahne zur Verfügung zu stellen: „Ein solches Dokument sollte nicht in der Schublade verschwinden". Zur Feier des Tages trugen die Sänger des  Liederkranzes unter Leitung von Jan Wilke jene letzte Strophe aus dem Schiller-Gedicht vor, in einer Vertonung des  Oppauers Heinz Dreher.

Quelle:

Verlag: DIE RHEINPFALZ

Publikation: Ludwigshafener Rundschau

Ausgabe: Nr.294

Datum: Mittwoch, den 17. Dezember 2008

Seite: Nr.44